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Brüning von Alten

Weitgereister in Sachen Trommeln, Experte in kubanischen

Bata-Rhythmen, CD „Ori Bata“/enja mit Andy Gonzales

 


Ein Gespräch mit Peter Christl

Oro Cantado und Oro Seco sind kubanische Bata-Rhythmen der Yoruba – getrommelt mit und ohne Gesang bei religiösen Zeremonien und Götterfeiern. Brüning von Alten hat sie alle während seiner Kuba-Aufenthalte von seinen Meistern in Havanna gelernt, aufgeschrieben und in seinem Tonstudio Yemaya mit den alten Cracks aufgenommen.

 


Zur Feier der Götter

Wie kamst du auf die Bata-Rhythmen?

Früher auf Tour mit Hector Martignion haben wir immer Bata Cumbele gehört. Ich wußte, daß es das in Kuba gibt, ich wußte nur nicht, daß es in Kuba neu erfunden wurde. Es kommt ja aus Nigeria und Benin. Die Kubaner trommeln in den Augen der Nigerianer wie mittelhochdeutsch. In Nigeria reden sie ja heute noch Yoruba, die Sprache hat sich transformiert im Laufe der Zeit, deswegen spielen die Kubaner auch was anderes, denn die spielen ja Worte. Wenn die Nigerianer die Kubener spielen hören, sagen die: nein, nein das stimmt nicht. Das liegt an falscher Überlieferung von 300 Jahre alten Texten. In Kuba lebt diese Yoruba-Tradition, die sehr religiös-spirtistisch ist.

Welche Religion ist das?

Die Religion heißt Santeria, zu der auch diese Bata-Trommeln gehören, die im Prinzip heilige und geweihte Trommeln sind. Wenn man dann entsprechend in die Religion reinwächst und sich entwickelt, dann macht man gelegentlich mal eine Feier, die toque. Die toque ist zu Ehren der verschiedenen Götter wie yemaya, chango, ojun, obatala etc. Da kommen dann mindestens drei Bata-Trommler und ein Sänger. Die Trommler spielen erstmal zu dritt vor einem kleinen aufgebauten Altar die Oro Seco. Das sind 22 betitelte Rhythmus-Stationen ohne Gesang. Man braucht für alle 22 Rhythmen etwa 45 Minuten bei zwei Durchläufen pro Rhythmus. Das läuft alles irrsinnig ökonomisch ab, keine Note ist verschwendet, es ist alles nacheinander und funktioniert wie ein Zahnrad. Das ganze wird am Stück durchgespielt und es ist ja nichts aufgeschrieben, es existieren keine Noten von Oro Seco. Ich hab einen fantastischen Lehrer gehabt, Angel Pedro Bolanos und sein Assistent Julio Guerra, der jetzt mit Omara Portuondo spielt. Es ist sehr schwer, jemand zu finden, der alle Rhythmen kennt und der keinen Fehler macht. Da sind zumTeil sehr verzwickte Rhythmen drin, z.B. Oja. Da kommt nach einem coolen Vierviertelrhythmus aus heiterem Himmel ein Dreiviertel-Takt. Wenn du den nicht spielst, funktioniert die Überleitung zur nächsten Station nicht.

Dann kommt Oro Cantado. Das ist nochmal eine festgelegte Abfolge von Rhythmen, aber diesmal nur mit 20 offiziellen Stationen, aber mit Gesang. Die Songs sind frei – es gibt übrigens irrsinnig viele Lieder. Lazaro Ros, der Sänger auf meiner CD „Ori Bata“/enja kennt rund 756 Lieder. Die hat er alle aufgeschrieben, er weiß, wie die Melodien gehen, alles auf Yoruba.

Du hast Ora Seco aufgeschrieben?

…und Oro Cantado und was es sonst noch gibt. Das sind rund 100 stücke. Bei Oro Cantado eignen sich manche Rhythmen übrigens hervorragend für Jazz – Nongo zum Beispiel. Ich möchte die Bata-Rhythmen irgendwann veröffentlichen.

Magst du etwas erzählen darüber, wie du zu den Aufzeichnungen gekommen bist?

Durch meine Lehrer Angel Pedros Bolanos und Julio Guerra. Die zwei sind vor mir gesessen und haben mir die Rhytmen auch mal in einem langsameren Tempo als dem Original vorgespielt. Bolanos kann zählen – er kann zwar nicht richtig Noten lesen, aber er kann zählen, was normale Folkloretrommler in Afrika und Kuba nicht können. Ich bin da gesessen wie ein Sekretär und hab pro Tag einen kompletten toque aufgeschrieben. Wir haben zwei Stunden Untericht pro Tag gemacht und in 54 Tagen war ich fertig. Dann haben wir es noch einmal kontrolliert und nochmal alles durchgespielt, was nochmal einen Monat dauerte und als wir es hier in meinem Studio Yemaya aufgenommen haben, sind dann nochmal Kleinigkeiten rausgekommen

Du hast also Aufnahmen von den Bata-Rythmen mit dir und den beiden Lehrern?

Ja. Wir haben sie hier aufgenommen und zwar zum Teil so, daß wir die Trommeln getrennt in Kabinen aufgenommen haben. Oro Seco haben wir so aufgenommen, daß du eine Spur ausschalten kannst. Wie Minus One, man kann mitspielen. Immerhin 30 Stücke. Wenn du die spielen kannst, kannst du alle spielen. Was ich beim studieren und spielen mit den Meistern gelernt habe, ist einfach, aber hilfreich: Im Salsa spielen alle auf dem Beat, keiner außer dem Solisten spielt vorne oder hinten. Jeder spielt auf dem Beat wie eine Quartzuhr. Wenn dann die Band ein bißchen schneller wird, weil sie sich emotionieren, ok. Aber wenn sie spielen, ist es zusammen. Ich habe den Bassisten Carlos del Puerto, der neben dem New Yorker Bassisten Andy Gonzales auf meiner CD spielt, gefragt, wie er phrasiert, wie er Bass spielt und er sagte: Ich spiele Bass wie ein Trommler. Und genauso hört sich das an. Der spielt Bass wie ein Trommler, der Trompeter spielt Trompete wie ein Trommler, der Guirospieler spielt Guiro wie ein Trommler, der Sänger singt rhythmisch wie ein Trommler. Das ist es.