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Jörn Pfennig

Schriftsteller und Holzbläser, lebt in Burghausen am Grenzfluss zu Österreich und ist somit ständig den Ausläufern balkanischer Umluft ausgesetzt. Das macht streitbar. Dennoch hat er - ausgerechnet – ein paar Lyrik-Bestseller in die Welt gesetzt.


Angriff soll ja die beste Verteidigung sein. - Wie wär's mal umgekehrt?


Leidiges Thema GEMA (2)

ein Versuch von Jörn Pfennig

 

Hohes Gericht, ich bitte um Milde! Ich habe nichts anderes getan, als den diesjährigen Geschäftsbericht der GEMA endlich einmal genauer zu lesen. Wir Musiker haben ja im allgemeinen keine große Lust, solche Schriften zu studieren, aber da es sich in diesem Fall um den Geschäftsbericht zum 100. Lebensjahr von Mutter GEMA handelte, habe ich nicht gleich die blaue Tonne aufgemacht, sondern den Bericht höchstselbst.

 

Die einführenden Worte des Großen Vorsitzenden haben mich sehr ergriffen. Es war da nicht nur die Rede von der GEMA als "verlässlicher Treuhänderin ihrer Mitglieder" und "unermüdlicher Anwältin für die Interessen der Urheber", sondern auch vom weiten, weiten Meer:

 

"In der rauen, stürmischen See wirtschaftlicher Realitäten ... ist die GEMA ein zuverlässiger, dauerhafter (sic!) Fels des Rechts. An ihr zerschellt Willkür ... sie ist die unverbrüchliche Bastion ... auf ihr strahlt der Leuchtturm ... und sie wird ... kein Stück des zäh von ihr errungenen Landes ... aus der Hand geben." - So haben auch schon andere tapfere Führer dieser Welt gesprochen. Danke, Herr Generaldirektor!

 

Solchermaßen eingestimmt habe ich weitergeblättert. Es folgte ein Foto der drei Herren des GEMA – Vorstandes, die auffallend zufrieden dreinschauen. Der Grund dieser Zufriedenheit findet sich am Ende des Berichts, wo es heißt:

"Die Gehaltsbezüge des Gesamtvorstands beliefen sich für das Geschäftsjahr auf € 1,142 Mio."

 

Hohes Gericht, ich war mir wirklich keiner Schuld bewusst, als ich meiner kleinen Neugier nachgab und diese Summe durch drei teilte, einfach so – mal sehen. Ich weiß ja nicht, wie das gestaffelt ist – der Vorsitzer wird schon noch ein bisschen mehr kriegen als seine Ne-bensitzer – aber immerhin: im Schnitt macht das ein Jahressümmchen von 380.000 € pro zufriedenen Kopf. Tja, und dann ist mir der kürzlich geschasste Bundesbankpräsident ein-gefallen, dem man öffentlich übel nahm, dass er als höchstbezahlter Beamter der Republik 350.000 € Jahresgehalt bekam.

 

Ich dachte, die GEMA ist ja auch so was wie eine Behörde und keine Privatfirma, hat sich nicht nur um sich selbst und ihre Funktionäre zu kümmern, sondern auch um ein paar Kunst- oder auch Nichtkunstschaffende, Menschen eben. Aber dieses öffentlich zu erwähnen, ist natürlich eher unhöflich und meinerseits entsprechend zu bedauern. Richtiger wäre es gewesen, Mitgefühl zu äußern für unseren Generaldirektor, der sich ein Zubrot verdienen muss in den Vorstandsetagen dreier weiterer Urheberorganisationen auf europäischer Ebene, de-ren einer er sogar ebenfalls vorsitzen muss. Und das alles, obwohl er doch schon bei unserer GEMA einen aufreibenden Fulltimejob hat.

 

Auch folgende Rechnung habe ich nach der Lektüre des Geschäftsberichts natürlich nur unter Vorbehalt aufgemacht: Wir sind zur Zeit ca. 60.000 GEMA-Mitglieder insgesamt. Davon sind ca. 51.000 so genannte angeschlossene Mitglieder, ca. 6.000 so genannte außer-ordentliche und ca. 3.000 so genannte ordentliche Mitglieder. Um in den Rang eines or-dentlichen Mitglieds erhoben zu werden, bedarf es höherer Verdienste. Da kommt keiner rein, der sich nur verdient gemacht hat, er muss schon richtig verdient haben. Dafür verdient er aber auch um so mehr, wenn er's erst mal verdient hat, zu den oberen Dreitausend zu gehören: Im hundertsten Geschäftsjahr des dauerhaften Felsens des Rechts, an dem die Willkür zerschellt, wurden von den ca. 350 zu verteilenden Millionen knapp 63% an knapp 5% der Mitglieder ausbezahlt. Das hat was!

 

Hohes Gericht! Selbstverständlich fließen all diese Gelder durch legale bzw. legalisierte Kanäle dorthin, wo sie dringendst erwünscht sind. Dieses in Abrede zu stellen, war nie meine Absicht. Ich wollte nur einmal öffentlich staunen.