J.I.M.
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www.andylutter.de

Andy Lutter

Jazzfunktionär mit

Bonzenfahrrad, geboren in München, die hiesige Musikwelt lange im Blick. composer in residence. Andy-Lutter-Trio, FLÜGELSCHLAG!, Drum for your life

 

 


Liebe Leser,

 

muß man sich wundern, wenn in klammen Zeiten extremer Einsparungen neue Produkte geistigen Schaffens in die Welt gesetzt werden?

Zum Beispiel eine Zeitung.

Sind nicht die großen Brüder, Vorbilder in Sachen Format und Inhalt, bereit gewesen, sich von ihren berühmten, beliebten und teils spintisiererischen Farbbeilagen zu trennen? Sie mussten es tun, heißt es, weil die Kosten zu hoch, der Verkauf zu niedrig ist. Auch die Printmedien machen es wie alle anderen – es wird dort ausgemistet, wo es für „am Unwichtigsten“ befunden wird: Ja genau, im Kulturteil. Soweit in der Republik.

Die SZ setzt für München noch Eins drauf und beschränkt den Münchner Kulturteil nur noch auf die Stadtausgabe (damit der „Freisinger“ davon bitte verschont bleibt).

Was wir in anderen Bereichen – Theater, Museen etc. – schon gewohnt sind, nämlich dass man deren Existenzberechtigung bei all den entstehenden Kosten anzweifelt, ist im geduldigen aber nie versiegenden „Wort“ genauso deutlich im Kommen.

Ich behaupte, da ist eine grundsätzliche Denkfaulheit Ursache für die Bereitschaft, die Blüten einer kulturellen Gesellschaft in zuviel Wasser untergehen zu lassen. (Soviel Hochwasser....)

Nein, es mangelt nicht an Kreativität. Kreativ ist, wer gut Einsparen kann. Nein, es mangelt nicht an Intelligenz. Intelligent ist, wer dieselbe Leistung billiger macht und dadurch die Konkurrenz schlägt.

Es mangelt auch nicht an Verblödung. Verblödet ist, wer so tut, als fände das (nur) in Amerika statt, nicht hier.

 

München wird dennoch weiter in der Sonne glänzen und die Kastanien werden hoffentlich hier aus dem Feuer geholt. Wir bekommen einen neuen Kickertreff, ein frisches Museum, eine fertigsanierte Dorn-im-Auge Bühne, das Multiplex-Prinzregenten-Skater-Beton-Bad, ein Kulturzentrum EINSTEIN ZWO (hab ich irgendwo geträumt), eine Unterfahrt mit 400 Plätzen, Fenster und besserem Bier (hab ich irgendwo schon getrunken), sowie tausend Fördermitgliedern, und natürlich J.I.M. (haben wir schon, aber mit Windstärke 9, wie wir jetzt durch den Bezirk Neuhausen segeln).

Alles wird gut, denn man kann jetzt l e s e n, wie es um uns steht. Wir brauchen diese neue Zeitung, weil wir immer noch was zu sagen haben. Wir, das ist J.I.M. (Jazzmusikerinitiative München), wir sind ein Teil Musikszene, aber auch Musikgeschichte dieser Stadt. Aus unseren Reihen weht Musik in die Häuser! Denn auch wenn alle sagen, Jazz ist aus USA, der Jazz ist schon lange hier – er gehört uns auch. (Danke Louis!)

Die kreativen Improvisierer haben neuerdings auch mal was zu sagen, was sich zu drucken lohnt – wer den Jazz lebt, der erlebt ihn auch. So haben wir es also hier mit der gedruckten Version unseres Vereines zu tun: Eine Zeitung für die Belange des Jazz in München, und für die hier lebenden Musiker. Und voller Stolz stellen wir hier unser 13. Jazzfest München vor! Wieder zurück ins Zelt und heim nach Neuhausen…

 

Hier muß noch gesagt werden: Wir haben die meisten Artikel mit einem breiten Grinsen gelesen, man möge aber berücksichtigen, dass die Texte explizit persönliche Erlebnisse und Meinungen mit dem Jazz (und dem Leben) wiederspiegeln, und dafür sei den (Au)Toren gedankt. Bedenke: Jazz ist irgendwas zwischen „Für Elise“ und „Motherf....“, Zeitung ist irgendetwas zwischen Werbung und Traum(a), und man kann sie zum Malern brauchen…

 

Andy Lutter

1. Vorsitzender der jazzmusikerinitiative Munchen e.v.