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Neu beim Jazzfest München 2004: der LabelDay!

Am ersten Abend des Jazzfests geben wir einem Münchner JazzLabel die Gelegenheit, sich selbst bzw. eine Auswahl seiner aktuellen Produktionen/Bands zu präsentieren.

Am Donnerstag, den 14. Oktober geht's los mit




ObliqSound ist ein junges, in New York und München ansässiges Label, das hochwertige Musik jenseits der Stilgrenzen veröffentlicht. Die aufwendig gestalteten CD-Verpackungen und das klar und zeitlos gestaltete ObliqSound-Image machen seine Produkte zu Liebhaberobjekten mit Kultfaktor. Der Mitbegründer Ralf Schmid berichtet:




www.ralfschmid.de

ein Gespräch mit Ralf Schmid

Jahrgang '69, studierte Klassik, Jazz und Filmmusik in Stuttgart, Ludwigsburg und New York. Vielfältige Arbeit als Pianist, Komponist, Arrangeur, Dirigent und Produzent. In seiner Musik verschmelzen Jazz, Pop, Neue Musik, Klassik, Weltmusik zu einer eigenen Sprache.


Wie es dazu kam

Michele Locatelli und ich studierten Jazz an der "New School" in New York. Wir entdeckten bald, dass wir (außer der gemeinsamen Passion für gutes Essen) ein großes Interesse hatten an der Vielfalt der heute zugänglichen Musik. Ich war überrascht, in Micheles enormer CD -Sammlung nicht nur die für einen Jazz-Studenten üblichen Miles-, Herbie- und Coltrane-Scheiben zu finden, sondern auch Musik aus Renaissance und Barock, zeitgenössische "Neue" Musik, Weltmusik, italienische Oper, Pop, Soul und Electronica.

Das deckte sich mit meiner Biographie. Ich hatte in Deutschland zuvor Klassik studiert, hatte aber währenddessen immer mit den verschiedenartigsten Stilrichtungen experimentiert: die ersten Rock- und Popbands, mein langjähriges Jazz-Trio, meine Arbeit für diverse deutsche Radio-Bigbands und Sinfonieorchester aber auch Kompositionen und Aufführungen zeitgenössischer Musik.

 

Wie Michele hatte auch ich mich nie auf eine Stilistik konzentrieren wollen, um für das Publikum "fassbarer" zu sein. So ergab sich die gemeinsame Idee, gerade die Vielfalt in ein Konzept umzusetzen und bewusst Musik zu schreiben die sich von stilistischen Schubladen fernhält, die in kein Raster passt. Eine Bezeichnung für die Musik, die uns vorschwebte, fiel uns auch gleich ein: ObliqSound (oblique = schief, kursiv ...)

 

Wohin aber diese Musik im CD-Laden stellen? Keine der dort gängigen Abteilungen wie Rock, Dance, Klassik, Jazz oder World wird stilübergreifender Musik gerecht – und so beschlossen wir eine neue Plattform zu schaffen und quasi die Obliq-Schublade zu eröffnen.

 

Nach der Gründung des Labels ObliqSound im Jahr 2000 in NY kamen uns dann noch weitere Ideen: wir wollten ein sehr spezielles Image schaffen, CDs mit hohem Wiedererkennungs- und Liebhaberwert, aber auch und vor allem mit der Garantie für hochwertige und interessante Musik. Hinzu kam der Wunsch nach einer besonders gestalteten CD-Verpackung.

 

Wie es weiterging

Nach der Rückkehr nach Deutschland haben wir zunächst viel Formales erledigt: Marken registriert, ein kleines Büro eröffnet, eine Firma gegründet, aber parallel dazu immer Musik produziert und überall Ausschau gehalten nach Produkten mit Obliq-Faktor.

 

Unser Team wurde bald verstärkt durch einen dritten Mann, dem Marketing-Spezialisten Tobias Tanner, der zuvor einige Jahre bei Verve gearbeitet hat. Inzwischen haben wir auch in New York ein kleines Büro mit Studio angemietet. Michele und Tobias sind die meiste Zeit dort, ich bin in München und wir nützen ausgiebig die zum Glück immer besser werdenden Kommunikationsmittel. Wir treffen uns aber auch regelmäßig zu neuen Produktionsterminen und Aufnahmen in New York oder München oder anderswo.

 

Was es schon gibt

Nach der Veröffentlichung eines ersten ObliqSound-Test-Samplers (OS 001) mit 6 Titeln von verschieden Künstlern/Bands, der vor allem in Japan sehr gut lief, teilten wir die Releases in drei Serien auf: eine Vocal- und eine Instrumental-Serie sowie die Obliq-Serie, in der wir Sampler, Compilations aber auch Remixes von experimentellen DJs und Remixern veröffentlichen u.a. auch auf Vinyl.

 

Alle Produktionen sind natürlich obliq, d.h. sie schöpfen aus stilistisch ungewöhnlichen Kombinationen wie z.B. die Band Renovation Unlimited, ein Schlüsselprojekt für ObliqSound: impressionistische Orchestermusik kombiniert mit Electronica Beats. Die Songs sind z.T. Re-Arrangements von Jazzstandards aber auch eigene Kompositionen. Renovation Unlimited arbeitet mit wechselnden Gast-Sängern und Solisten wie u.a. Roy Ayers (vibes).

Oder f!üge!sch!ag, ein komponierendes und improvisierendes Ensemble, bestehend aus drei Pianisten/Komponisten, die drei Flügeln höchst außergewöhnliche Töne entlocken, die sich aus Neuer Musik, Weltmusik und Jazz nähren und die, für die Avantgarde nicht immer üblich, neben dem Intellekt auch den Bauch ansprechen.

 

Außerdem ist gerade die Single Antonata erschienen: Anton v. Webern goes Brazilectro – und natürlich gibt es wunderbare CDs von den Künstlern, mit denen wir unser Label beim JAZZFEST MÜNCHEN präsentieren: Aisha Duo, Grandpianoramax und Tama Waipara! (Näheres dazu im Programmteil)

 

Wo es hin gehen soll

Optimistisch wie wir sind, hoffen wir auf das alte Gesetz, dass sich Qualität durchsetzt und herumspricht. Natürlich sind auch wir betroffen von der allgemeinen Ebbe am Tonträgermarkt, bleiben aber durch unsere internationale Ausrichtung unabhängig. Wir haben in New York die ObliqSound-Nights mit drei Gruppen unseres Labels in Clubs wie JOE´S PUB oder MAKOR etabliert, die auf großes Interesse stoßen. Diese Idee wollen wir nach hier ausweiten.

 

Natürlich gilt es zunächst unseren Bekanntheitsgrad zu steigern, sowohl beim Publikum als auch in der Szene, so dass ObliqSound eine international wichtige Plattform für stilübergreifende Musik wird. Wir wollen die hohe Qualität halten und kontinuierlich gute Musik veröffentlichen, immer mehr auch mit großen Namen, die sich jetzt beginnen für unsere Arbeit zu interessieren. Es gibt ja große Namen, die schon obliq sind und es wäre schön, die auf Dauer für uns zu interessieren.

 

Ganz wunderbar wäre es natürlich, eines Tages im CD-Laden (gibt’s den dann noch ?) neben Jazz, Rock und Co. eine Kategorie zu finden mit dem schönen Namen Obliq ...

 

Eine Bezeichnung für die Musik, die uns vorschwebte, fiel uns auch gleich ein: ObliqSound (oblique = schief, kursiv ...)