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Naomi Isaacs

Sängerin, Gesangslehrerin,

songwriterin mit eigenem Soloprogramm, initiatorin des „Kultursalon“ in der Drehleier, Gründungs- und Vorstandsmitglied der jazzmusikerinitiative München e.V.


„Time for Jazz“ on Radio LORA 92,

 

Münchner Jazz und seine Musiker on Air

 

Als man mich fragte, ob ich einmal im Monat eine Radiosendung machen wollte, habe ich mich riesig gefreut! Als ich allerdings erfuhr, daß – neben dem Geschäftsführer und noch einer oder zwei weiteren Personen – alle Verantwortlichen bei Radio LORA ehrenamtlich arbeiten, war ich erstaunt und etwas traurig. Mir scheint manchmal, daß alle Kultur und Entertainment haben wollen, niemand aber dafür bezahlen will. Nichts desto trotz: Da ich noch nie eine Radiosendung gemacht hatte, sagte ich gerne zu und freute mich auf die Gelegenheit, was Neues zu lernen.

 

Beim ersten Redaktionstreff lernte ich zwei weitere Kollegen kennen: Manfred Roth, vielen noch von seinen regelmäßigen Sendung für die Jazzwelle Plus bekannt, und Nikolai Podak, ein außerordentlich engagierter junger Mann, der bereits die ersten Sendungen hinter sich hatte und für LORA’s neue Projekt voller Begeisterung war. Mir wurde es erst etwas mulmig, als man uns sagte, daß uns für unsere Sendezeiten kein Techniker zur Verfügung stehen würde, weil alle Musiksendungen „Selbstfahrer“ sind (schon wieder ein neues Wort gelernt!). Na ja, auch da hielt ich mich für lernfähig, mußte allerdings zugeben, daß mich die technische Seite eines Radiosenders nicht ganz so stark interessierte. Vielmehr sah ich die Gelegenheit – da LORA eine Lokalsender ist – die Münchner Jazzszene verstärkt zu präsentieren und hoffte darauf, daß ich den einen oder anderen Münchner Jazzmusiker für ein Interview ins Studio locken könnte. Auch hoffte ich, die Zuhörer für modernere, verrücktere Klänge interessieren und vielleicht sogar begeistern zu können. Ein Anliegen von mir war schon immer das Bekanntmachen von Musikern, die sich jenseits des Mainstreams aufhalten und deshalb kommerzielle Erfolge selten oder gar nicht erfahren. In München leben so viele teilweise begnadete Musiker und Komponisten, die allesamt nur außerhalb von München die An

 

erkennung bekommen, die sie auch bei uns verdient hätten – und bei Radio LORA sah ich eine Gelegenheit, in diesem Bereich vielleicht etwas zu bewegen. Ein paar Tage später ging ich an einem vormittag in’s Studio, um zu üben. Ich nahm ein paar CDs mit und der Geschäftsführer, Dietmar Freitsmiedl, wies mich sehr liebevoll ein. Da blieb ich ungefähr eine halbe Stunde sitzen und wechselte meine CDs fröhlich vor mich hin, sagte ein paar total witzige Sachen in das (Gott sei Dank!) noch tote Mikrofon, schob Fader hinauf und hinunter und dachte mir, „Na, so schlimm wird das wohl nicht sein!“. Auch meinen Kollegen Nikolai besuchte ich bei seiner Sendung und sah, wie das Ganze in der Praxis tatsächlich ist: etwas hektisch, aber machbar.

 

Am Samstag, 17. November 2001 war es dann so weit. Dietmar stand mir zur Seite für die ersten Minuten des „fliegenden Wechsels“ nach der Sendung „Uferlos“, die direkt vor „Time for Jazz“ ausgestrahlt wird und blieb für die Dauer der Sendung in der Nähe, während ich plötzlich am Pult saß und mittendrin in der Sendung war!

Es war kurz nach Dusko Goykovich’s 70. Geburtstag und ich widmete ihm den ersten Teil der Sendung. Es folgten einigen Aufnahmen von amerikanischen Kollegen – vor allem Aufnahmen, die wohl weniger bekannt sein dürften, z.B. Dizzy Gillespie „Swing Low, Sweet Cadillac“ oder die Sängerin Kitty Margolis mit „All Blues“ – und der zweite Teil der Sendung wurde den Münchnern gewidmet; Aufnahmen von Antje Uhle, Gunnar Geisse, Geoff Goodman, Jason Seizer und Roman Schwaller. Danach kam die Gruppe „Metall Assemblague“ aus Bamberg dran mit der völlig abgedrehten Eigenkomposition „Eine harmonische Kuh“.

 

Angeblich wirkte ich ganz ruhig – innerlich allerdings war ich angespannt wie ein Bogen und wunderte mich ständig, daß es noch keine Katastrophe gegeben hatte. Wie die Sendung bei den Zuhörern ankam, weiß ich nicht. Mein Kollege Nikolai rief mich unmittelbar nach der Sendung an, um mir zur ersten Sendung zu gratulieren. Meinem Kollegen Manfred gefiel meine Musikauswahl wohl weniger (was bis heute der Fall geblieben ist), fand aber meine Stimme sei ein Gewinn für den Sender. Und nachdem ich alle Fader nach unten gezogen und alle Schalter ausgeschaltet hatte, kam Dietmar und erzählte mir – mit einem Schmunzeln im Gesicht – daß ich kurz nach Anfang der Sendung, bevor ich mein Sprechermikrofon ausgeschaltet hatte, den Zuhörern doch meine wirklichen Gefühle mitgeteilt habe: „Oh Gott!“

 

Ab Januar 2002 konnte ich dann mein Vorhaben realisieren, Münchner Kollegen ins Studio einzuladen, mit ihnen Gespräche zu führen und ihnen die Gelegenheit zu geben, ihre eigene Musik und die Musik ihrer Wahl aufzulegen. Dies war allerdings nur durch die Hilfe meines inzwischen zu einem guten Freund gewordenen Kollegen Nikolai möglich, der sich bereit erklärte, die Technik für mich zu fahren. Auf diese Weise bin ich von den Schrecken der Technik befreit worden, worüber ich mich wirklich sehr gefreut habe!

 

Mein erster Gast war Geoff Goodman. Und das, was Geoff zu erzählen hatte, hat nicht nur mich und Nikolai gefesselt, sondern auch einen lieben Kollegen, der zufällig an diesem Abend zuhörte: Wolfgang Lackerschmid befand sich auf der Autobahn Richtung Augsburg und fand das Gespräch so interessant, daß er rechts rangefahren ist, um diesen Teil der Sendung in Ruhe anzuhören.

 

Im Februar kam Martin Zenker zu Wort und es folgten Hajo Hoffmann und Lygia Campos, Wolfgang Lackschmid (Ja! Zuhören macht bisweilen auch Lust auf mehr!), Johannes Enders und Franz Dannerbauer. Im Juli war Jason Seizer mein Gast und im August folgte Thomas Stabenow. Wer im Oktober mit mir am Mikrophon steht, stellt sich noch heraus – aber egal, wer es ist, ich freue mich immer auf die Gespräche und die Aufnahmen, die meine Gäste mitbringen, durch die ich wieder eine Menge lernen kann.