J.I.M.
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Roland HH Biswurm
Roland HH Biswurm

geb. am Tage Thelonious Monks, am Tage Edward Blackwells III, einen Tag vor Arthur Blakey – wunderlich nicht, dass dabei ein sprechender Schlagwerker rausgekommen ist - soviel Meriten, soviel Verheißung ... Trommler HH Biswurms Kulturkommentare sind im Bayerischen Rundfunk zu hören, aber auch anderswo in der Republik.


Das jatzistische Immergrün am Fuße der blauen Berge

Jazz,so entnehmen wir den einschlägigen Lexika, ist genuin afroamerikanische Instrumentalmusik, das sagt Archie Shepp, Lehrer an der Amherst Universität Massachusetts und: Saxophonist von Gottes Gnaden. Über Archie Shepp und dessen Ansichten streiten, das ist quasi – in München zumindest: ins Wespennest gestochen, denn Shepp ist ein schwarzer Politiker, stolz, wütend, aufrecht und hartnäckig.

So wie Bayern eben auch. Das heißt: Jazz in Bayern und im speziellen in München ist: stolz, wütend, aufrrecht, hartnäckig – da stimmt doch was nicht.

 

Denken wir an die Alten: Brocksieper, Greger, Doldinger, Dusko – eine wilde Melange aus Stolz, Wut, Auf-Recht und Hartnäckigkeit, und: ein Gutteil: chic. München ist nicht die Südwestbronx, ist nicht Mahabrutiklaaat, Kalkutta, ist nicht Futzliwutzliwest, Ausfahrt B.

München ist satt, München ist reich, München ist schön, so schön, daß die schönsten Fraun sich ballen. Und eben dort gibt es keinen Jatz, denn Jatz ist, wo nicht ist, was nicht sein darf, wo nicht ist blues, das blau der Berge, immergrün, immerdar, immerfort. Drum muß fort, wer einst kam, muß ziehen, wer abdrückt. Zu schreiben von denen, die nicht bleiben konnten, denn wollten, ist müßig, und doch: not-wendig, wendet es doch die not dessen, der – gezwungenermaßen – stets zurückmuß an den Tatort. Der, welcher sich für den Sachwalter kulturreferentieller Abartigkeiten hält, ladet ein, auch einen, der gezogen ist, um dort abzudrücken, Chorus um Chorus: Donna Lee – listen to Junk Genius in der alten Strickfabrik. Mitten drin einer, den wir mal vorsichtig JIM nennen wollen: Jim ist grün hinter den Ohren, kommend vom Fuße der blauen Berge, gewandet ins Gelb der Appenzeller Sennhosen (nicht tot, wie Düsseldorf): – „there's a red house over yonder...” – ausgerechnet

hinunterfahren ist angeraten dem, der „einsteigen” will: also: wer hinaus will, hinauf gar in die Höhen des „Love Supreme”, der muß zunächst hinunter in die Untiefen der Unterfahrt. Von außen betrachtet ein absurdes, aber nicht uninteressantes Spiel: abdrücken meint: hinab, hinunter und das mit dem Druck der Not. Doch wo ist diese?

 

Abdrücken auf diese Weise wird zum absurden Gestus des Überdrusses am Selbst, nicht – wie es not-wendig wäre: des Überflusses am Selbst. Jim also ist eine Kreatur – Truffaut hat den konjugiert mit einer Frau und noch einem, der sich spiegelt in der Geschichte: „there’s a red house over yonder… I found a new baby… finally I got a woman, hallelujah, i love her so… Der Jandl hat einmal gesagt, es wird der Wein sein, und der Koller und der Fatty George und der Zawinul… Jim, afroamerikanisch gewendet, ist, je nach Lesart die so geheißene Krähe, schwingt die Schwingen, schwingt sich auf hoch über die Gipfel der blauen Berge – immergrün. Jim hockt im Biergarten und räsonniert, ob’s wohl das Bier sein wird. Aber Bier ist nicht blau – purple haze is in my brain – purple rain’s gonna fall like a rolling stone…

 

Nun also hat sich Jim aufgemacht aufs Neu: vergessen die Grabenkämpfe zwischen Dixie-land (der wilde Süden?) und Popzentrale, zwischen Marks und Pfennig: Mit Windstärke 7 kommt der Nachwuchs in Gestalt der Gehimrevue und macht den Mars mobil: das klingt gut, gewiß – Toni Eichler hat bereits eine Grußadresse geschickt: space is the place. Spannend ist das schon deshalb, weil Saalfelden hinter und Berlin vor Jim liegt: Benzin wird knapp – und teuer. Jim aber ist stolz, wütend, aufrecht und hartnäckig…

 

Was aber zum Teufel macht Joe mit der Knarre in seiner Hand?